Donnerstag, 27. Januar 2011

Our Ceasing Voice / When the Headline Hit Home (Upcoming!) (2011, self-released)

Our Ceasing Voice sind eine Ambient Post-Rock Band aus Innsbruck, Österreich. Mir persönlich liegen die Jungs sehr am Herzen, da ich ihre Schritte von Anfang an mitverfolgt habe und auch ihre Entwicklung mitverfolgen konnte. Das neueste Werk When the Headline Hit Home festigt ihren Stil im bombastisch-melodiösen Post-Rock.
When the Headline Hit Home kam als Promo-CD zu mir nach Hause und ich wunderte mich schon sehr, als ich den Umschlag sah. Kein Jewelcase und auch kein Karton, sondern ein aus Papier bestehender Einband im Design einer Zeitung. Der Text der Zeitung selbst verfasst und genial designed. Also auf jede Art ein eigenständiges Album, sogar als Promo-Version. Übrigens gibt's das Album ab Februar zum kostenlosen Download auf www.postrockcommunity.net.


Der epische Start des Albums, Passenger Killed in Hit & Run ist typisch Our Ceasing Voice. Die Österreicher bauen auf einem Gitarrenpad auf, mit Sample im Hintergrund, ruhig, dezent und die Spannung des Hörers durch das stetige Hinzufügen neuer Elemente ins Unermessliche steigernd.
Nach dem Aufbau und dem abrupten Ende erwartet uns dann ein Sturm von Reverb- und Delay-Gitarren zusammen mit dem langsamen und kraftvollen Drumming. Schwindelerregende Atmosphäre wie wir es von Mono kennen und dann den schwungvollen Wechsel in den dynamischeren Part. Passenger Killed in Hit & Run ist sehr dynamisch, sehr kraftvoll und voller Atmosphäre, abgerundet durch die akustische Gitarre am Schluss des Tracks.

Der zweite Song, Without Even Breathing beginnt mit einem Glockenspiel-Sample, das dann unterstrichen wird von einem zweiten Sample, Street-Scene-Style. Ein sanftes Piano steigt ein, und mit ihm fadende Texturen und ein konstantes Pad. Alles wirkt bisher noch sehr distanziert. Die String Synths lassen den Hörer dann völlig im epischen Track versinken - passend dazu auch der Name, Without Breathing. Die Gitarren leiten dann völlig natürlich in den zweiten Teil des Tracks ein und steigern die Spannung noch mehr. Die Drums im Military Style geben Without Breathing schliesslich den sehr epischen Effekt und der Song endet in einer beeindruckend unerwarteten Gitarrenmelodie und lässt den Hörer aufhorchen, erwartet hätte man hier viel eher eine bombastische Wall of Sound, umso erfrischender jedoch dieses Ende des Tracks.

Highway Lights beginnt dann mit einem sanften Pad, Drums und dazu Gitarrenfades. Der dritte Song des Albums lässt einen vollends versinken und verzaubert von A-Z. Diesen Song kann man vielleicht entfernt mit Superheroes of BMX von Mogwai vergleichen. Sehr dynamischer und optimistischer Track, dessen Eindruck ich hier gar nicht allzu lange schildern möchte, weil er mir nämlich gerade den Atem geraubt hat.
Überraschenderweise geht der Track dann noch in Gesang über und entwickelt sich in etwas völlig anderes, als man dies am Anfang hätte vermuten können. Er endet abrupt. Dieses Album scheint eine echte Wundertüte zu sein.

The Only Ones Dead beginnt mit einer interessanten Bassline in Verbindung mit Sample und vermutlich e-bowed Gitarren. Ebenfalls sehr bombastisch und sich dann mehr und mehr steigernd. Entweder hab' ich völlig vergessen wie Post-Rock klingt oder dieses Album ist echt verdammt episch (Das meine ich durchaus nicht im negativen Sinn). Der Track folgert dann in ein Gitarrenarpeggio und überrascht erneut durch einen abrupten Unterbruch mit erstaunlicher Filigranität und erinnert mich hier ein bisschen ans aktuelle Mono-Kindchen. Dieser Eindruck bleibt auch als die Drums wieder einsteigen und den Track wieder zurückholen, man hört hier ebenfalsl Ähnlichkeiten mit früheren God is an Astronaut "Strophen" heraus. Ein sehr schöner Track voller Emotionen und sanfter Wehmut. Es endet in einem Wall-of-Sound Crash, der jeder Beschreibung spottet.

Hopes of Yore wird durch ein sich wiederholendes "Mantra" eingeläutet mit dem Text All Souls to Plead, for Hopes of Yore" (Alle Seelen flehen um einstige Hoffnungen). Atmosphärische Pads und Gitarrenläufe sowie das Piano bilden den Anfang dieses Tracks. Vergleichbar mit Gregor Samsa lässt das instrumentale der tiefen, atmosphärischen Stimme Platz und eröffnet damit eine enorme Gänsehaut Atmosphäre, die sich dann allerdings kaum mehr mit irgendetwas vergleichen lässt. Einfach nur geniessen und staunen, bitte. Die Dramatik des Tracks leitet dann in einen Track über, den wir bereits als Akustik-Version auf der Single Version von Passenger Killed in Hit & Run kennen.

Orange Haze beginnt gar nicht zögerlich und erinnert keineswegs an die akkustische Version. Enorm wuchtig knallen uns Our Ceasing Voice hier einen bildhaft atmosphärischen Post-Rock Track vor die Nase. Ist lange her, dass ich so eine Gänsehaut gekriegt habe durchs blosse Zuhören.
Nach kurzer Zeit eröffnen uns die Innsbrucker einen auf Ambient basierenden Teil und steigen dann mit Akkustikgitarre und der bereits gehörten Stimme ein. Die Drums treiben den Track dann in eine ähnliche Richtung wie der zweitletzte Teil von The Only Ones Dead. Echt hübsch und atmosphärisch, lässt einen auch ein bisschen verschnaufen. Schade find' ich's allerdings, dass der Song dann so plötzlich mit dem Volume runtergeschraubt wird.

Das vorletzte Stück, Polaroids and Chinese Whispers eröffnet mit sanfter Gitarre und Gesang. Mag ein komischer Vergleich sein, aber mich erinnert's hier an Shadows of the Sun von Ulver. Als die Drums dann einsteigen wird der Track wieder ein bisschen klarer und lässt dem Hörer viel Raum, die Spannung ist jedoch fühlbar. Wenn das jetzt nicht in einem Wall-of-Sound Breakout endet fress' ich echt einen Besen.
Einen Besen später begegnet uns dann ein ruhiger Teil mit nostaligscher Atmosphäre, der sich aufbaut und dann schliesslich doch noch in einem unglaublichen, und ich meine wirklich unglaublich wuchtigen Breakout fliesst. Ich hab' mich hier mit offenem Mund ertappt.
Der Track endet mit einem semi-elektronischen Drumbeat wie wir das von Saxon Shore's erstem Track auf dem ersten Album kennen.

Der letzte Song, Within the Nick of Time, beginnt wieder klassisch nach Our Ceasing Voice Art und wie auch Passenger Killed in Hit & Run. Man hört jedoch an der Stimmung bereits an, dass dieser Track quasi dafür geschaffen ist, das Ende des Albums darzustellen. Die Drums und die Gitarrenmelodie, die kurz nach dem ambientalen Anfang den Track bereichern leiten dann in einen rockigen, wieder The Only Ones Dead-mässigen Teil ein. Gefällt mir persönlich sehr gut und beweist, dass Our Ceasing Voice auch sehr positiven Post-Rock machen können.
Nach diesem Teil gelangen wir zu einem, der durch nostalgische Kraft (Glockenspiel, Stimme, Gitarre) überzeugt und nach kurzer Zeit wieder in den poppigeren Teil zurückflieht. Dieser baut sich auf und endet dann schnell in der legendären Our Ceasing Voice Wall-of-Sound. Und diese ist noch viel mächtiger als beim Polaroids Track...

Insgesamt ist dieses Album einfach nur eines, verdammt episch, verdammt mächtig und voluminös, verdammt pompös. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass diese Art von Post-Rock noch kaum je dagewesen ist, denn ich könnte keinen Vergleich ziehen, der auf das ganze Album einigermassen zutreffen würde.
Zu kritisieren gibt's lediglich zwei Punkte. Zum einen finde ich, dass Our Ceasing Voice die einzelnen Teile sowie auch die Breakouts ein bisschen länger hätten gestalten dürfen (dies wäre überhaupt nicht langweilig geworden) und zum anderen ist diese Stimme zwar sehr speziell, eignet sich jedoch nicht unbedingt zum Einsatz in vier von acht Tracks. Insgesamt jedoch ist dieses Album ein Geniestreich, und, was ganz wichtig ist, endlich mal was echt neues!

4.3/5

Genre: Post-Rock
Label: Wiseowlrecords
Erscheinungsjahr: 2011
Tracks:
01. Passenger Killed in Hit & Run
02. Without Even Breathing
03. Highway Lights
04. The Only Ones Dead (Are Those Who Are Forgotten)
05. Hopes of Yore
06. Summer's Orange Haze
07. Polaroids and Chinese Whispers
08. Within the Nick of Time

PS: Danke Sebi!

Kommentare:

  1. @anonym: kompetente aussage. kannst dir was darauf einbilden.

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  2. auf jeden fall. So kompetent, dass ich die diversen Kritikpunkte nicht mal eruieren konnte ;)

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