Donnerstag, 27. Januar 2011

Our Ceasing Voice / When the Headline Hit Home (Upcoming!) (2011, self-released)

Our Ceasing Voice sind eine Ambient Post-Rock Band aus Innsbruck, Österreich. Mir persönlich liegen die Jungs sehr am Herzen, da ich ihre Schritte von Anfang an mitverfolgt habe und auch ihre Entwicklung mitverfolgen konnte. Das neueste Werk When the Headline Hit Home festigt ihren Stil im bombastisch-melodiösen Post-Rock.
When the Headline Hit Home kam als Promo-CD zu mir nach Hause und ich wunderte mich schon sehr, als ich den Umschlag sah. Kein Jewelcase und auch kein Karton, sondern ein aus Papier bestehender Einband im Design einer Zeitung. Der Text der Zeitung selbst verfasst und genial designed. Also auf jede Art ein eigenständiges Album, sogar als Promo-Version. Übrigens gibt's das Album ab Februar zum kostenlosen Download auf www.postrockcommunity.net.


Der epische Start des Albums, Passenger Killed in Hit & Run ist typisch Our Ceasing Voice. Die Österreicher bauen auf einem Gitarrenpad auf, mit Sample im Hintergrund, ruhig, dezent und die Spannung des Hörers durch das stetige Hinzufügen neuer Elemente ins Unermessliche steigernd.
Nach dem Aufbau und dem abrupten Ende erwartet uns dann ein Sturm von Reverb- und Delay-Gitarren zusammen mit dem langsamen und kraftvollen Drumming. Schwindelerregende Atmosphäre wie wir es von Mono kennen und dann den schwungvollen Wechsel in den dynamischeren Part. Passenger Killed in Hit & Run ist sehr dynamisch, sehr kraftvoll und voller Atmosphäre, abgerundet durch die akustische Gitarre am Schluss des Tracks.

Der zweite Song, Without Even Breathing beginnt mit einem Glockenspiel-Sample, das dann unterstrichen wird von einem zweiten Sample, Street-Scene-Style. Ein sanftes Piano steigt ein, und mit ihm fadende Texturen und ein konstantes Pad. Alles wirkt bisher noch sehr distanziert. Die String Synths lassen den Hörer dann völlig im epischen Track versinken - passend dazu auch der Name, Without Breathing. Die Gitarren leiten dann völlig natürlich in den zweiten Teil des Tracks ein und steigern die Spannung noch mehr. Die Drums im Military Style geben Without Breathing schliesslich den sehr epischen Effekt und der Song endet in einer beeindruckend unerwarteten Gitarrenmelodie und lässt den Hörer aufhorchen, erwartet hätte man hier viel eher eine bombastische Wall of Sound, umso erfrischender jedoch dieses Ende des Tracks.

Highway Lights beginnt dann mit einem sanften Pad, Drums und dazu Gitarrenfades. Der dritte Song des Albums lässt einen vollends versinken und verzaubert von A-Z. Diesen Song kann man vielleicht entfernt mit Superheroes of BMX von Mogwai vergleichen. Sehr dynamischer und optimistischer Track, dessen Eindruck ich hier gar nicht allzu lange schildern möchte, weil er mir nämlich gerade den Atem geraubt hat.
Überraschenderweise geht der Track dann noch in Gesang über und entwickelt sich in etwas völlig anderes, als man dies am Anfang hätte vermuten können. Er endet abrupt. Dieses Album scheint eine echte Wundertüte zu sein.

The Only Ones Dead beginnt mit einer interessanten Bassline in Verbindung mit Sample und vermutlich e-bowed Gitarren. Ebenfalls sehr bombastisch und sich dann mehr und mehr steigernd. Entweder hab' ich völlig vergessen wie Post-Rock klingt oder dieses Album ist echt verdammt episch (Das meine ich durchaus nicht im negativen Sinn). Der Track folgert dann in ein Gitarrenarpeggio und überrascht erneut durch einen abrupten Unterbruch mit erstaunlicher Filigranität und erinnert mich hier ein bisschen ans aktuelle Mono-Kindchen. Dieser Eindruck bleibt auch als die Drums wieder einsteigen und den Track wieder zurückholen, man hört hier ebenfalsl Ähnlichkeiten mit früheren God is an Astronaut "Strophen" heraus. Ein sehr schöner Track voller Emotionen und sanfter Wehmut. Es endet in einem Wall-of-Sound Crash, der jeder Beschreibung spottet.

Hopes of Yore wird durch ein sich wiederholendes "Mantra" eingeläutet mit dem Text All Souls to Plead, for Hopes of Yore" (Alle Seelen flehen um einstige Hoffnungen). Atmosphärische Pads und Gitarrenläufe sowie das Piano bilden den Anfang dieses Tracks. Vergleichbar mit Gregor Samsa lässt das instrumentale der tiefen, atmosphärischen Stimme Platz und eröffnet damit eine enorme Gänsehaut Atmosphäre, die sich dann allerdings kaum mehr mit irgendetwas vergleichen lässt. Einfach nur geniessen und staunen, bitte. Die Dramatik des Tracks leitet dann in einen Track über, den wir bereits als Akustik-Version auf der Single Version von Passenger Killed in Hit & Run kennen.

Orange Haze beginnt gar nicht zögerlich und erinnert keineswegs an die akkustische Version. Enorm wuchtig knallen uns Our Ceasing Voice hier einen bildhaft atmosphärischen Post-Rock Track vor die Nase. Ist lange her, dass ich so eine Gänsehaut gekriegt habe durchs blosse Zuhören.
Nach kurzer Zeit eröffnen uns die Innsbrucker einen auf Ambient basierenden Teil und steigen dann mit Akkustikgitarre und der bereits gehörten Stimme ein. Die Drums treiben den Track dann in eine ähnliche Richtung wie der zweitletzte Teil von The Only Ones Dead. Echt hübsch und atmosphärisch, lässt einen auch ein bisschen verschnaufen. Schade find' ich's allerdings, dass der Song dann so plötzlich mit dem Volume runtergeschraubt wird.

Das vorletzte Stück, Polaroids and Chinese Whispers eröffnet mit sanfter Gitarre und Gesang. Mag ein komischer Vergleich sein, aber mich erinnert's hier an Shadows of the Sun von Ulver. Als die Drums dann einsteigen wird der Track wieder ein bisschen klarer und lässt dem Hörer viel Raum, die Spannung ist jedoch fühlbar. Wenn das jetzt nicht in einem Wall-of-Sound Breakout endet fress' ich echt einen Besen.
Einen Besen später begegnet uns dann ein ruhiger Teil mit nostaligscher Atmosphäre, der sich aufbaut und dann schliesslich doch noch in einem unglaublichen, und ich meine wirklich unglaublich wuchtigen Breakout fliesst. Ich hab' mich hier mit offenem Mund ertappt.
Der Track endet mit einem semi-elektronischen Drumbeat wie wir das von Saxon Shore's erstem Track auf dem ersten Album kennen.

Der letzte Song, Within the Nick of Time, beginnt wieder klassisch nach Our Ceasing Voice Art und wie auch Passenger Killed in Hit & Run. Man hört jedoch an der Stimmung bereits an, dass dieser Track quasi dafür geschaffen ist, das Ende des Albums darzustellen. Die Drums und die Gitarrenmelodie, die kurz nach dem ambientalen Anfang den Track bereichern leiten dann in einen rockigen, wieder The Only Ones Dead-mässigen Teil ein. Gefällt mir persönlich sehr gut und beweist, dass Our Ceasing Voice auch sehr positiven Post-Rock machen können.
Nach diesem Teil gelangen wir zu einem, der durch nostalgische Kraft (Glockenspiel, Stimme, Gitarre) überzeugt und nach kurzer Zeit wieder in den poppigeren Teil zurückflieht. Dieser baut sich auf und endet dann schnell in der legendären Our Ceasing Voice Wall-of-Sound. Und diese ist noch viel mächtiger als beim Polaroids Track...

Insgesamt ist dieses Album einfach nur eines, verdammt episch, verdammt mächtig und voluminös, verdammt pompös. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass diese Art von Post-Rock noch kaum je dagewesen ist, denn ich könnte keinen Vergleich ziehen, der auf das ganze Album einigermassen zutreffen würde.
Zu kritisieren gibt's lediglich zwei Punkte. Zum einen finde ich, dass Our Ceasing Voice die einzelnen Teile sowie auch die Breakouts ein bisschen länger hätten gestalten dürfen (dies wäre überhaupt nicht langweilig geworden) und zum anderen ist diese Stimme zwar sehr speziell, eignet sich jedoch nicht unbedingt zum Einsatz in vier von acht Tracks. Insgesamt jedoch ist dieses Album ein Geniestreich, und, was ganz wichtig ist, endlich mal was echt neues!

4.3/5

Genre: Post-Rock
Label: Wiseowlrecords
Erscheinungsjahr: 2011
Tracks:
01. Passenger Killed in Hit & Run
02. Without Even Breathing
03. Highway Lights
04. The Only Ones Dead (Are Those Who Are Forgotten)
05. Hopes of Yore
06. Summer's Orange Haze
07. Polaroids and Chinese Whispers
08. Within the Nick of Time

PS: Danke Sebi!

Creation VI / Apeiros (2010, Self-Released)


Creation VI ist ein Projekt aus Kiev, dass 2006 mit Ambient im Bereich Guitar-Drone/Doom begann. Tim, der Mann hinter Creation VI hat viele Einflüsse von Klaus Wiese sowie Matthias Grassow und bezeichnet sein neuestes Werk Apeiros als eine Art Ritual Ambient.
Apeiros ist ein Terminus des Philosophen Plato.  Es bezeichnet die primäre Kraft, die das Weltgeschehen zu beeinflussen vermag. Im Bereich des möglichen versuchte Tim - welcher als Designer von lokalen Zeitschriften arbeitet - die Komplexität dieses Themas zu erfassen.


Apeiros ist ein sehr vielschichtiges Album, das man meiner Meinung nach durch zwei teilen kann. Die beiden ersten Tracks hören sich nach sehr padlastigem und leichten Drone an, während die zwei letzten eher nach fülligem, atmosphärischen Stars of the Lid-Sound klingen. Mir persönlich gefallen beide Hälften recht gut und bringen auch eine gewisse Abwechslung in das - durch den Umstand schon - monotone Drone Ambient Genre.

Looped Superstring ist der erste Track von Apeiros. Beginnend mit sphärisch-hallenden Tonalperkussionen und tiefbrummenden Pads. Das ganze folgt einer gewissen (keinesfalls negativ gemeinten) Monotonie und entwickelt sich über sehr lange Zeit (11:27) zu einem emotionalen Stück Drone Ambient, welches einem etwas an Tu M' erinnern könnte. Die Parts des Songs fliessen ineinander über, ohne dass der Hörer sich über irgendwelche Übergänge stören würde. ...Während nach und nach die Drones das Feld übernehmen.

Der zweite Song, Nonlocal Corellation, beginnt wo der erste aufgehört hat. Die Pads und Drones werden von Background Noises begleitet und geben dem Teppichmuster noch ein bisschen mehr Tiefe. Man muss hier zugeben, dass vereinzelte Sample-Aktionen dem Sound vielleicht noch ein bisschen mehr Gehalt geben würden, die Kraft allerdings stark im Detail und im Texturbereich liegen. Die zunehmende Wucht dieses Tracks verzaubert einem jedoch auch trotz der minimalistischen Machart - und innerhalb der total über 25 (!) Minuten kommt es doch zu zahlreichen Veränderungen, die man nur durch geschultes Zuhören erfassen kann.

Der dritte Song dann meiner Meinung nach der intensivste. Hier prallen die vielschichtigsten Drones aufeinander und türmen sich - bildlich gesprochen - zu einem sich langsam drehenden Turm voller Gefühl und Atmosphäre auf. Ganz anders als der zweite Song, ist Archetype Storage viel tiefgängiger und "vollgestopfter". Also echt ein interessantes - ja ich wage den Vergleich - Stars of the Lid-mässiges Drone Stück. Meiner Meinung nach der Thriller von Apeiros, wenn auch das kürzeste Stück.

Actually Infinite Deletion packt dann noch einmal alle SotL-Einflüsse aus und erinnert mich hier an die düsterste Drone Scheibe der Texaner - Ballasted Orchestra. Mit Breath-Synths und schleichenden Pads windet sich das Stück in die Gehörgänge des Hörers - diesen ergreift ein seltsames Kribbeln - nur schade, dass die Breaths nach knapp zwei Minuten bereits wieder abschwellen und dem Drone völlig das Feld überlassen, das wär vermutlich noch ein bisschen hübscher gegangen.

Insgesamt ist dieses Album sehr, sehr gut. Man kann sagen, dass ich wirklich verdammt überrascht bin von einem so unglaublich unbekannten Interpreten so ein stimmungsvolles und atmosphärisches Werk zu hören. Ich kann vor Creation VI nur den Hut ziehen.
Zwar ist das Album keinesfalls perfekt und es gibt mit Sicherheit einige Kritikpunkte, aber für das hohe Niveau, mit dem die Künstler hier bei musiquemorte bereits bewertet wurden, kann auch dieser völlig unbekannte Artist locker mithalten.

3.5/5

Creation VI (Kostenloser Download - Legal und bewilligt)
Genre: Drone Ambient, Ambient
Label: -
Erscheinungsjahr: 2010
Tracks:
01. Looped Superstring
02. Nonlocal Corellation
03. Archetype Storage
04. Actually Infinite Deletion

Dienstag, 18. Januar 2011

Tim Hecker / Ravedeath, 1972 (Upcoming!) (2011, Kranky)


Ich bin sicher, die meisten von euch kennen Tim Hecker als einer der angesehensten Drone Künstler dieses Planeten. Der Kanadier verbindet in seinen Songs sphärische Pads mit dröhnenden Klangtempeln, starke Bässe mit sanften Backgrounds und seinen typischen verzerrten Klangteppichen.
Ravedeath, 1972 ist eine Verbildlichung der Aggressivität, die in der Musikszene zu weil vorherrscht. Das Cover beschreibt dies genauso eindeutig. Hecker spricht sich gegen das Zerstören von Instrumenten, Mashen von Gitarren oder kaputt machen von Klavieren aus, oder besser gesagt, drückt sich aus.


Die Essenz des Albums ist laut Kranky die mehrheitliche Live-Aufnahme des kompletten Ravedeath, 1972. Die Sounds wurden mit einer Orgel in einer isländischen Kirche aufgenommen, genauer gesagt in Reykjavik. Was für eine geniale Idee.
Euch erwarten Wellen abstrakter Empfindsamkeit und eine Katharsis an orchestralen Klängen und atemberaubenden Soundmauern.

Der erste Song beginnt gleich mit dem typischen Noise-Drone Element Heckers, dann das Lo-Fi, Technomässige Arpeggio, das allerdings ebenfalls direkt von der Orgel kommt. Hecker geizt auch kaum mit Bässen und bläst einem durch die Wucht dieses Songs namens The Piano Drop - einem schrecklich unpassenden Namen - förmlich an die Wand! Laut aufdrehen und erschaudern.

Die In the Fog-Serie (1-3) besticht durch sanftes und berauschendes Hintergrund Pad und eine Vielzahl an Details. Wie gesagt, alles Live! Zu hören sind erneut die Orgel, tiefe Bässe und klangveränderte Strukturen, alles im Sog des unheimlichen Church-Reverbs, der diesmal nicht vom GarageBand kommt. Feine Piano Hits steigen wie aus dem Sog des musikalischen Eintopfs heraus und geben sich ganz der Divinität dessen hin. Gegen Schluss von Part 1 steigt noch einmal diese Wahnsinnig atmosphärische Elektronik auf und leitet in Part 2 hinüber. Dieser besteht aus gechoppten, abgehakten Piano Akkorden und Wiederholungen, dem latenten Rauschen und macht dann der epischen Orgel Platz. Mir schlottern jetzt schon die Knie.
Obwohl In the Fog beinahe nur aus diesem Noise-Drone, dem konstanten Piano Arpeggio und der Orgel besteht, wirft einem die Klangmauer aus Hall und Drone regelrecht auf den Rücken.
Teil 3 wird mit fragilem Piano eingeleitet und bildet den abstraktesten Teil der Serie. Die Bässe (ebenfalls aus der Orgel stammend) und die hohen Orgeltöne bilden mit dem Noise-Element und dem Reverb eine regelrechte Symbiose aus wuchtiger Drone Musik. Interessant finde ich bei In the Fog Part 3 im Besonderen diese unheimliche Mischung aus Fragilität und Brachialität, die sich hier wie selbstverständlich zu einer epischen Atmosphäre hochschaukeln. Das Ende bilden fadende Bässe und Piano-Ausklänge.

No Drums, das fünfte Stück des Albums, startet mit subtilen Pads und Bässen, das Rauschen wird auf ein Minimum reduziert, während die Cutoffs im besonderen der Pads fast zugeschnürt werden. Dadurch entsteht dieser distanzierte und durch den Hall noch mehr verwobene Sound dieses Tracks. Der Bass wirkt wie das entfernte Geräusch eines Nachtklubs und untermalt die industriell-anmutende Atmosphäre brilliant. Das Stück klingt sanft aus und endet mit schimmernden Hi-Filter Pads, die - immer läuter werdend - den Anfang der Hatred of Music Serie einläuten.

Hatred of Music Part 1 ist ein dicht gewobenes Klangnetz mit wieder intensivierten Noise-Drones und einer Vielzahl von Orgel- und synthetischen Klängen. Schwierig zu beschreiben wie diese wuchtige Mischung auf den Hörer einprasselt. Schliesslich noch dieser unheimlich sperrige und kräftige Drone, der dem ganzen noch zusätzlich Wucht verleiht und das Drone-Mayhem (im positiven Sinne) ist perfekt.
Part 2 der Serie ist dann anfangs ruhiger. Den Sturm läutet nach und nach das dezent lauter werdende Rauschen ein, der plötzliche, verzerrte Bass gibt dem ganzen die wortwörtliche Tiefe, und das subtile Piano-Spiel treibt die Spannung im immer intensiver werdenden Werks Hatred of Music auf die Spitze.

Analog Paralysis, 1978 ist der siebte Track des Albums, der verspricht, die Sache etwas ruhiger anzugehen. Mit ruhigem Orgelspiel und sanften Textures lässt uns Tim Hecker hier wieder ein bisschen verschnaufen.

Studio Suicide, 1980 ist dann ein eher introvertierter Titel, der mit Vibrato und Chorus arbeitet. Er kann nicht ganz mit der Atmosphäre und Wucht der vorhergegangenen Titel mithalten, lässt aber auch Luft, um nicht völlig im Sog von Ravedeath, 1972 zu versinken.

Die letzte Serie, In the Air, beginnt dann mit Piano und gezielten Bässen, die mich persönlich etwas an Bands wie Deaf Center, mit klassischen Einflüssen erinnern. Das Piano in Part 1 baut eine ungeheure Spannung auf, stetig sich erhebende Noise-Wellen machen diese perfekt und lassen In the Air zu einem tosenden Stück Ambient Musik aufkommen, dass sich gegen Ende mit diversen Noise-Layern noch einmal aufbäumt und dann eher ruhig in Part 2 überleitet.
In the Air Part 2 beginnt mit gechopptem Pianospiel und wieder eher aggressiveren und konstanteren Sustain-Bässen. Ein stetiger Aufbau ist typisch für Tim Heckers Werke und wiederholt sich auch in diesem Song. Ein lauter Piano-Anschlag lässt uns dann aus unserer Trance aufwachen.
Nach circa 2/3 des Songs gibt es einen Stimmungswechsel, in dem das ganze sich etwas auspendelt und dann wieder - nebenbei mit atemberaubenden Details, einfach mal so - in Part 3 übergiesst.
Jener, In the Air Part 3, schafft dann eine eher melancholische Stimmung, man kann genüsslich zuhören und diese ganze, kurze, mal eben da gewesene Wall of Sound verarbeiten und sich fragen: What the Heck(er) was that?!

Dieses Album ist einfach nur ein Meisterwerk. Es ist von A-Z einfach nur eine Mauer. Ein kräftiger Tsunami voller Emotionen und voller Melancholie. Tim Hecker scheint mit seiner Idee, einer Live-Aufnahme seiner neuen Tracks in einer Kirche, einfach voll ins Schwarze getroffen zu haben. An gewissen Stellen erinnert mich Ravedeath, 1972 zwar etwas an Ben Frost's By the Throat. Aber dennoch, unvergleichlich, kraftvoll, wuchtig und so was von nicht langweilig.

4.9/5

Genre: Drone, Ambient
Label: Kranky
Erscheinungsjahr: 2011 (noch nicht erschienen)
Tracks:
01. The Piano Drop
02. In the Fog I
03. In the Fog II
04. In the Fog III
05. No Drums
06. Hatred of Music I
07. Hatred of Music II
08. Ananlog Paralysis, 1978
09. Studio Suicide, 1980
10. In the Air I
11. In the Air II
12. In the Air III

Montag, 17. Januar 2011

Gareth Dickson / Collected Recordings (2009, Norman)



Gareth Dickson ist ein Akustikgitarrist aus Glasgow, Schottland, der uns eine wunderschöne Mischung aus verträumtem Ambient und luftigem modern Folk bietet. Entdeckt habe ich Dickson beim rumstöbern im 12k Forum.
Collected Recordings scheint genau dies zu sein. Ein bunt zusammengewürfelter Haufen an unglaublich schönen Stücken. Vertreten sind dort sowohl Ambient als auch Folk mit Gesang. Querfeldein also durch's melancholisch-wohlige Geäst von Collected Recordings.


Gareth Dickson's Mischung aus Ambient, Folk und Slowcore ist schon relativ interessant und eigenständig. Auch das Album Collected Recordings ist sehr vielseitig und doch voller Eigenheiten. Oftmals baut Dickson schöne stimmungsvolle Soundgarnituren und Klangmuster auf, verträumte, am Shoegaze orientierte Melodien und Zupfmuster.
Seine Stimme klingt ehrlich und bodenständig, jedoch auch ein bisschen monoton und vielleicht auch etwas zu sehr nach Red House Painters. Jedenfalls hat Dickson mit Collected Recordings ein unheimlich originelles und einzigartiges Album geliefert. Wie das klingt?

Collected Recordings beginnt gleich atmosphärisch und luftig. Mit dem Intro Fifth erregt der Schotte beim Hörer gleich eine gewisse Aufmerksamkeit durch die Eluvium-mässige Minimalistik und den schönen Einsatz der Gitarre. Der Track klingt so elegant und sanft ab, wie er den Hörer berührt hat.

If I, der zweite Track des Albums ist dann ein enorm shoegazig verträumtes Stück electro-acoustic Folk. Dickson zupft die Gitarre scheinbar im Schweben während man sich im Hintergrund an das sanfte Pad gewöhnen darf. Die Stimme setzt ein und lenkt If I in eine etwas andere Bahn, in der der Fokus hauptsächlich auf dem Text liegt.

Song Woman and Wine ist das dritte Stück des Albums und klingt dann eher etwas folkiger, vielleicht Slowcore mässiger. Mich erinnert's and Rivulets oder Kozelek. Im Hintergrund noch immer die Pads.

Nummer vier scheint dann die experimentellere Entwicklung zum Konzept zu sein. ein konstanter Bass gibt den Boden, viel Gitarrenhall und sanftes, scheinbar beliebiges Zupfen formt diesen Song zu etwas sehr Logelöstem. Trip in a Blanik scheint eine Art Fortsetzung zum zweiten Track zu sein.

Weiter geht's dann mit einem eher minimalistischen Folk Song, der vielleicht an Broderick's How They Are oder Home erinnert. Dickson's Stimme scheint hier, trotz viel Hall und Sentimentalität etwas bodenständiger zu werden. Dieser Song ist der bisher erdigste (auch wenn erdig die falsche Definition für Collected Recordings wäre).

Harmonics dann wider in eher verträumten Gefilden und ohne Gesang. Neben der Gitarre hören wir auch noch Piano und wieder sanfte Background Pads sowie ein leises Field Recording. Schöner Track und für mich ein Highlight des Albums.

AGAO beginnt mit einem Slowcore-artigen Gitarrenlauf, der im Verlauf des Tracks etwas schneller wird und verhältnismässig relativ aufdringlich wirkt. AGAO lässt einem ein bisschen runterkommen vom Dickson Trip.

Nur um dann später in As You Lie zu landen. Einem kleinen Indie Track, dem es aber an Melancholie und Sentimentalität überhaupt nicht fehlt. In diesem Stück hören wir zwei Gitarren. Der simple und minimalistische Zauber von As You Lie funktioniert nicht ganz ohne Gesang und ich kann nicht umhin jenen wieder mit dem von Kozelek zu vergleichen. Starke Ähnlichkeit vor allem in Betonung und Schwermut.

Climbing legt dann wieder mehr wert auf die verträumte Seite des Albums. Hier spielen auch Background Pad und Reverb eine noch grössere Rolle. Ein erneutes Highlight des Albums, das allerdings ohne Gesang defintiv um einiges intensiver zu erleben wäre.

Wieder einen etwas experimentellen Anfang bietet uns dann Technology. Ein Werk von Schwermut und Introvertiertheit, das meiner Meinung nach nicht unbedingt allzu gut wirkt. Intensiver wird der Song nach wenigen Minuten. Erinnert mich schon beinahe an bisschen an Post-Rock (Seven Mile Journey).

Der letzte Track bildet dann wie auch der erste des Albums eine Ausnahme. Hier hören wir sehr interessante digitale Klangbearbeitung und Bitcrushers. Der Gesang kommt dann noch vor dem Gitarrenspiel hinzu und gibt dem Ganzen eine gewisse Tiefe. Insgesamt sehr Lo-Fi und langatmig.

Collected Recordings ist relativ schwierig zu bewerten. Ich schätze zwar zum einen den Minimalismus Dickson's, muss ihm zum anderen aber auch eine gewisse Langeweile vorwerfen. Diese Musik ist mit Sicherheit gut um zu entspannen, möglicherweise für nebenbei, jedoch keinesfalls Musik, mit der man sich länger auseinandersetzen könnte. Ausserdem muss man noch in Stimmung dafür sein.
Ein weiterer Kritikpunkt um die 2.8 rechtfertigen zu können, ist definitiv die Stimme. Zu sehr erinnert sie mich an bereits erwähnte Slowcore Projekte und zu oft greift sie in die schöne Atmosphäre der instrumentalen Stücke hinein.
Insgesamt aber kein schlechtes Werk!

2.8/5

Genre: Electro-Acoustic, Ambient, Minimalism, Folk, Slowcore
Erscheinungsjahr: 2009
Tracks:
01. Fifth (The Impossibility of Death)
02. If I
03. Song, Woman and Wine
04. Trip in a Blanik
05. Two Trains
06. Harmonics
07. AGOA
08. As You Lie
09. Climbing
10. Technology
11. Like a Clock

Sonntag, 16. Januar 2011

offthesky / Dwelling Spells (2008, zymogen)

offthesky / Dwelling Spells
Man ist ja manchmal gerne überrascht. Besonders wenn man nichts erwartet und man bereits beim ersten Ton die Phantomerwartungen erfüllt sehen kann. offthesky ist ein Projekt aus Kentucky, USA von Jason Corder. Bisher relativ unbekannt und nach diesem ersten angesprochenen Ton steigt ja gleich mal die Spannung.
Dwelling Spell ist eigentlich nicht ganz so einfach wörtlich zu übersetzen, ich hab' mir da echt die Zähne ausgebissen. Soll das jetzt wirklich Wohn-Zauber sein? Wenn ja, was soll das bedeuten? (Ich wär da um eine zweite Meinung echt dankbar!)

Jason Corder in Blur
Das Werk Dwelling Spells ist Glitch Ambient wie aus dem Bilderbuch. Chromatisch perkussive Elemente in Verbindung mit sanften Synthie-Layern und Field Recordings lassen einen ungeheuer kreativen Arbeitsraum entstehen, in dem sich einem selbst das Herz öffnet. Es ist Musik für die Einsicht, es ist Musik der Gedanken und es ist die Kunst, darin verloren zu gehen.

Mit Noon Peach bringt es Corder von Anfang an gleich mal auf den Punkt. Dwelling Spells ist ein offenes Album, es verbirgt nichts und ist ehrlich. Noon Peach selbst ist ein wunderschönes Stück Ambient und weiss besonders durch die fein abgestimmten Stepfilter zu überzeugen (Cubase Schule).

Beim zweiten Stück wird es dann schon ein bisschen verschlossener. Die Stimmung ist etwas zurückhaltender und das Tempo wird gedrosselt. Tonal perkussive Elemente werden um des Field Recording's Willen etwas zurückgeschraubt und das fragile Element beherrscht den Raum. Die Filter werden jetzt vermehrt bei den Aufnahmen und Noises eingesetzt.

Ähnlich geht es bei Memories Feign weiter. Hier beherrscht jedoch das fragile Pad im Hintergrund und die feinen Texturen und Swells, die nach und nach den Raum beherrschen. Der leichte Wechsel in erneut offenere Sphären wirkt natürlich und keinesfalls aufgezwungen. Der Stimmungswechsel tut dem Hörer auf jeden Fall gut.

Hinter Lulls ist meiner Meinung nach das Tau, das sanft vom Blatt fällt. Wunderschöne sanfte Gitarrenmelodie trifft Bass und Field Recording. Ein typisches Beispiel eines gemütlichen electro-acoustischen Ambient Songs. Besser hätten's Seaworthy und Pillowdiver auch nicht hingekriegt! Respekt.

Alles in allem ist Dwelling Spells ein unheimlich gutes Album. Es ist musikalisch und künstlerisch ein Genuss und bleibt für mich sicher eine gewisse Zeit in der "Das-Merk-Ich-Mir"-Liste. Ich muss jedoch bei aller Überraschung und Verzückung auch feststellen, dass der Name offthesky unterzugehen droht. Vielleicht liegt es an einer gewissen fehlenden Individualität dieses Projektes? Etwas fehlt mir hier, und ich glaube es ist die gewisse Prise Frechheit.

3.5/5

Genre: Glitch, Ambient
Label: zymogen
Erscheinungsjahr: 2008
Tracks:
01. Noon Peach
02. Hall Inside Mirrors
03. Memories Feign
04. Hinter Lulls

Robert Curgenven / Oltre (2010, LINE)

Robert Curgenven / Oltre
Robert Curgenven ist ein australischer Drone Ambient Künstler. Er arbeitet hauptsächlich mit analogem Equipment und analoger Field Recording Manipulation. Curgenven hat sich, wie English in der australischen Kunstszene einen Namen gemacht und mit seinem Album Oltre ein enorm abstraktes Werk der dröhnenden Klangkunst erschaffen.
Oltre ist italienisch und bedeutet ungefähr darüber, dahinter, über. Vielleicht ist Oltre auch die Metapher für die Tiefe, mit der Curgenven in seiner Musik arbeitet. Es ist ein undefinierbares Werk, industrial, atmospherisch und introvertiert. Sowohl leicht als auch kräftig.

Australisches Lanschaftsbild
Oltre ist ein Werk voller Geheimnisse und Hintergründe. Jeder der fünf Tracks ist ähnlich aufgebaut. Ein intensives und tief atmosphärisches Field Recording, vermutlich aufgenommen inmitten der australischen Prärie zusammen mit einem tiefbrummenden, konstant klingenden Bass. Rein und ungefiltert. Diverse Soundmanipulationen ergänzen diese Grundstimmung. Das Gesamtbild von Oltre ergibt ein trotz der minimalistischen Veranlagung sehr fülliges und tiefes Klangbild.

Isole: Allargando Nero beginnt mit einem Field Recording, das vermutlich am Meer aufgenommen wurde. Man hört ein Krachen, vielleicht Holz das gegen das Land treibt. der konstante Drone, hoch jedoch und dann das Crackling, ein Hund bellt, der tiefe Bass steigt ein und du bist gefangen in Robert Curgenven's dunkler Magie. Von nun an übertrifft das Crackle und der Bass den Rest des Sounds und der geschulte Hörer entdeckt die Details, die im Hintergrund aufsteigen. Unheimlich spannendes und intensives Stück Musik.

Ein Drone Akkord, dann wieder crackling Noises und Background Töne. Acciaccatura Amplificata klingt noisier als das erste Stück, gibt einen Teil der Magie, das durch Isole: Allargando Nero erschaffen wurde, wieder ab. Im Verlauf dieses Tracks gibt es diverse Stimmungswechsel und auch Akkordwechsel, immer dezent getragen durch den konstanten Drone und die Field Recordings, die zum Teil gelayert werden.

Gran Coda Andante beginnt gleich mit einem kräftigen Brummer und wieder mit dem Crackle. Hier baut Curgenven vermehrt auf Vibrato und dynamischeren Soundeinsatz insbesondere bei den Synthesizer. Bei dem Stück ist man wieder völlig in seinem Zauber gefangen. Introvertiert und düster trägt einem Gran Coda Andante fort.

Largo Capriccioso hat zwar wieder einen ähnlichen Grundaufbau wie der Rest des Albums, ist jedoch der Ausnahmetrack des Albums. Nach dem Crackling Noise und dem gewohnten Bass und Synthie Gefrickel kommen nun Gitarrendrones wie wir sie von Tim Hecker kennen. Das ganze wird zu einem helleren und dynamischeren Soundgebinde als die restlichen Lieder.

Nero Lento: Coda Lunga ist dann die verhältnismässige Entspannung nach der Düsternis. Lange Zeit kommt das Stück nur mit Field Recording und einem sanften, konstanten hohen Drone aus. Der Bass und die Texturen setzen erst später ein und die Atmosphäre wird zum Ende des Albums noch ein bisschen gelockert, ohne jedoch wirklich an Intensität zu verlieren.

Ich muss erhlich zugeben, dass ich von diesem Album beeindruckt bin. Zwar klingen alle Lieder recht ähnlich und haben einen ähnlichen Aufbau, jedoch ist die Spannung in jedem Stück zum Greifen nahe. Weitere Minspunkte gibt es dann noch beim zweiten Track, der ein bisschen unten durch fällt. Insgesamt jedoch ein verdammt spannendes und gutes Album.

4.2/5

Genre: Drone Ambient, Field Recording
Label: LINE
Erscheinungsjahr: 2010
Tracks:
01. Isole: Allargando Nero
02. Acciaccatura Amplificata
03. Gran Coda Andante
04. Largo Capriccioso
05. Nero Lento: Coda Lunga

Lawrence English / A Colour for Autumn (2009, 12k)

Lawrence English / A Colour for Autumn
Lawrence English, Klangkünstler, der sowohl als Musiker als auch als Kurator in seiner Heimat Australien, Brisbane, sehr angesehen ist, hat mit seinem Album A Colour for Autumn einen Meilenstein im Bereich Drone Ambient gelegt.
A Colour for Autumn ist ein auf der Jahreszeit basiertes Album. Das zweite einer Serie, die English vermutlich innerhalb der nächsten Jahre zu Ende bringen wird. Das erste Album der Serie hiess For Varying Degrees of Winter.

Art Image von English's Website
Jahreszeiten sind das Thema dieser Serie, und A Colour for Autumn ist ein Werk, dessen herbstliche Eleganz einzigartig ist. Ungeheure Massen an Atmosphäre und Tiefe treffen den Hörer dieses Albums. Es gibt Momente in A Colour for Autumn, wo einem der Atem wegbleibt, es gibt Momente, in denen Ruhe einkehrt und die Gedanken des Hörers abschweifen lassen.
English greift in den sieben Stücken dieses Werks auf Unmengen an verschiedenen Instrumente zurück. Seien dies Tonbandsamples, Field Recordings aus aller Welt, Gitarren, Synthesizers oder auch Soundmanipulationen.

Droplet ist einer dieser wahnsinnig intensiven Momente des Albums. Es dauert ca. eine Sekunde, bis die ungeheure Kraft des ersten Liedes den Hörer ins Nirvana befördert. Ein ähnlicher Eröffnungstrack befindet sich übrigens auch auf einem seiner älteren Alben Kiri No Oto.
Vocalsamples, Synthesizers, Gitarre und Field Recordings kommen mit einer einzigen Wucht aus der Stereoanlage. Den Rest der 06:49, die das Stück dauert, sind dann quasi das stete Ausklingen dieser enormen Wucht, die uns für ein paar Sekunden getroffen hat.

Watching it Unfold, der zweite Track des Albums beginnt mit einem simplen, high-pitched noise pad, gefolgt von einer simplen Gitarrenmelodie. Horns und Synthies machen die Verschnaufspause nach dem emotionalen Droplet komplett.

The Prelude to & The Surface of Everything sind eher subtilere Stücke, die hauptsächlich mit Synthies und Field Recording gemacht wurden. Nach dem Ende des Preludes leitet, noch immer auf der selben Tonlage, die melodische Gitarre The Surface of Everything ein. Ein sehr atmosphärisches und melodiöses Ambient Stück.

Galaxies of Dust ist dann wieder ein eher spannungsgeladenes Stück, dass den Hörer zwar auf eine sehr ästhetische, jedoch auch unheimlilche Weise in Anspruch nimmt. Der konstante Bass erweckt einen ähnlichen, vielleicht etwas abgeschwächten Effekt wie der erste Track von A Colour for Autumn. Viele Fades und wiederkehrende, monotone Töne beherrschen diesen schönen Song und wirken, dem Namen entsprechend, recht spacey.

Als zweitletztes Lied des Albums startet Stillness in Motion mit Lo-Attack Pads und Bässen. Feine Geräuschwände werden zu der Bass- und Synthieline hinzugefügt, die während dem ganzen Stück konstant bleiben. Auf dieser Konstante wird danach aufgebaut. Eine Tonabfolge die mich ein bisschen an Stars of the Lid auf deren neuesten Alben erinnern.

Der schliesslich letzte Track ...And Clouds for Company erinnert mich persönlich ein bisschen an Boards of Canada, ohne dabei allerdings Beat zu enthalten. ...And Clouds for Company ist ein Stück mit viel Synthie-Einsatz und verspielten Vibrato und Chorus Effekten.

Insgesamt ist dieses Album sehr gut und ich kritisiere es auf recht hohem Niveau. Effektiv weist es nach dem absoluten Meisterwerk Droplet, dem ich sofort 5/5 geben würde, einige Tracks auf, die mir persönlich zu langgezogen und monoton sind. Aber wie gesagt: Ich kritisiere hier auf hohem Niveau und das Album ist dieser Kritik zum Trotz ein geniales Werk.

3.9/5

Genre: Drone Ambient, Ambient
Label: 12k
Erscheinungsjahr: 2009
Tracks: 
01. Droplet
02. Watching It Unfold
03. The Prelude To...
04. ...The Surface of Everything
05. Galaxies of Dust
06. Stillness in Motion
07. ...And Clouds for Company

Taylor Deupree / Shoals (2010, 12k)

Taylor Deupree / Shoals
Taylor Deupree ist ein US-amerikanischer Ambient Künstler. Seine Werke sind stark experimenteller Natur und weisen stets eine technologische Komplexität auf. Deupree ist Gründer und Aushängeschild des amerikanischen Ambient Labels 12k.
Shoals, das kann sowohl als Nomen als auch als Adjektiv verstanden werden. Shoal ist die Untiefe, das Seichte und kann, im Plural, als Untiefen verstanden werden. Jedoch kann Shoal im Englischen auch Fischschwarm bedeuten.

Aufnahmegerät von Deupree
Wenn wir von den Untiefen, den seichten Stellen ausgehen, offenbart sich uns mit Sicherheit ein mehrheitlich anderes Bild der musikalischen Struktur des neuesten Deupree-Werkes (Tiefe!).

Bereits im ersten Track überrascht uns Taylor Deupree mit einer ungekannten Komplexität seines Soundes. Shoals, das erste Lied des gleichnamigen Albums ist eine starke Mischung aus dem elektro-lastigen Glitch, den wir von seinen früheren Alben kennen, und einer neuartigen, sehr organisch wirkenden Klangerzeugung. Jene Töne, die hie und da an chromatische Perkussionsinstrumente erinnern, stammen tatsächlich aus traditionellen balinesischen Gamelan-Instrumenten, die, wie ich von Deupree selbst erfahren habe, nachträglich mit Klangveränderungseffekten analoger und software-techinscher Natur verändert worden sind.

Der zweite Track auf dem Album, Rusted Oak, lebt von einem typischen 12k Field Recording. Dazu kommen erneut die Gamelan-Instrumente, die hierbei vermutlich noch stärker verändert wurden. Software Synthesizer und das sehr spezielle Field Recording vervollständigen das komplexe Innenleben dieses eher introvertierten Tracks. Ein reifes Stück Musik für den geduldigen und dennoch anspruchsvollen Ambient-Hörer.

Meiner Meinung nach das beste Stück dieses Albums ist A Fading Found. Ein erneut introvertierter Anfang, ein hoher Background Synthie, eine Unmenge von Details im Hintergrund und die Reverse-gefadeten Gamelans, die hier eine Atmosphäre schaffen, die eher einer Spannung gleicht. Man hat das Gefühl, in diesem Stück jederzeit versinken zu können. Monotone Bässe, subtil und darauf bedacht, dem Hörer ein gewisses Gefühl an Trance vermitteln zu können, tragen dazu bei, dass dieses Gefühl während den ganzen 12:07 nicht verschwindet. 

Falls Touching Grasses ist dann die Erleichterung. Mir scheint, Deupree beabsichtigt mit diesem Album einen gewissen plastischen Effekt. Die zwei meiner Meinung nach wichtigsten und introvertiertesten Lieder stehen in der Mitte. Die Untiefe wird durch ein gemächliches Eintauchen in die Atmosphäre von Shoals dargestellt, und genauso unbescholten wie man in diese Sphäre abgetaucht ist, taucht man auch wieder aus ihr heraus, in einem fliessenden Gefühl der Vollkommenheit.
Falls Touching Grasses ist ein wunderschöner Track mit angenehmen Drones und Fades im höheren Bereich. Wie ein Sonnenschein nach unendlichen Tagen der Melancholie, welche das Herz komplett für sich eingenommen hat.

Taylor Deupree hat mit Shoals ein Meisterwerk geschaffen, das zwar einige Zeit in Anspruch nimmt, um es zu verstehen, einem jedoch immer wieder Momente des Glücks beschert.

4.6/5

Genre: Ambient, Glitch
Label: 12k
Erscheinungsjahr: 2010
Tracks:
01. Shoals
02. Rusted Oak
03. A Fading Found
04. Falls Touching Grasses